Skip to Content

Verwaltung will Anlaufstelle einrichten / Schulleiter warnen vor „Ausbrennen“ ihrer Lehrer durch Inklusion, MAZ 16.01.2012

Zentraler Service für Behinderte
POTSDAM / NAUENER VORSTADT/INNENSTADT -Eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung soll im Haus II der Stadtverwaltung eingerichtet werden. Die Vorlage kommt im Juni in die Stadtverordnetenversammlung. Das sagte die Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger auf Nachfrage. Egal, ob Wohngeld, Rampe oder Lesegerät – die Menschen können sich mit allen Fragen und Problemen an die Fachstelle wenden, die zirka vier Mitarbeiter haben wird. „Die Akten sollen laufen, nicht die Menschen“, so die Beigeordnete.

Die Anlaufstelle ist seit langem gefordert und durch die Inklusionsdebatte um eine Schule für alle Kinder noch einmal stark in den Fokus gerückt. Betroffene Eltern hatten erst am Donnerstag in der Rosa-Luxemburg-Schule bei einem von der SPD initiierten Inklusions-Abend eine Zentralstelle gefordert. Sie fühlten sich oft allein gelassen und durch die Behörden gejagt. Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch lobte das Potsdamer Vorgehen und auch die Bemühungen, seit August in fünf Arbeitsgruppen die inklusive Schule, in der Kinder mit und ohne Behinderungen lernen, vorzubereiten. Bis zum Ende des 1. Quartals sollen die Potsdamer Stadtverordneten die Ergebnisse der Arbeitsgruppen bekommen, sagte Kathleen Krause vom Bildungsausschuss.

Befürchtungen einiger Eltern, die „ganz normalen“ Kinder künftig nicht mehr entsprechend beschult und gefördert zu wissen, konnte die Ministerin nicht zerstreuen. Ebenso wenig Bedenken von Lehrern und Schulleitern, ihre durchaus motivierten Kollegen mit den neuen Aufgaben zu überfordern, wenn nicht ausreichend Personal und Stunden zur Verfügung gestellt würden. Luxemburg-Leiterin Sabine Hummel und ihre „Priesterweg“-Kollegin Elvira Eichelbaum warnten vor „dem Ausbrennen der Kollegen“, die schon jetzt alles möglich machen würden. Bei Eichelbaum lernen bereits 41 Kinder mit Behinderungen, und Hummel unterrichtet zwei Kinder mit Down-Syndrom in Englisch. Hummel beklagte das hohe Maß ihrer Pflichtunterrichtsstunden als Direktorin. „Es wäre unrealistisch, Ihnen zu versprechen, dass Sie zwei Stunden weniger kriegen“, so Münch.

Brandenburgs-Lehrergewerkschafts-Chef, Günter Fuchs, würde lieber das „gesamte gegliederte Schulsystem“ verändert wissen, drängte aber darauf, dass für die Inklusion zumindest „genügend Geld, mehr Personal, eine andere Lehrerbildung und eine zentrale Anlaufstelle“ bereitgestellt werden. „Ansonsten können Sie es gleich lassen“, sagte er an die Ministerin gerichtet.

Laut Stadtverwaltung hat bisher die Grundschule Im Kirchsteigfeld ihre Bewerbung für das Inklusions-Pilotprojekt des Landes angekündigt. Die Bewerbungsfrist läuft bis 25. Januar. Seit August beteiligen sich auf Schulamtsebene bereits die Grundschulen „Pestalozza“, „Hauptmann“, „Humboldtring“ „Foerster“, „Pappelhain“, „Kirchsteigfeld“ und „Luxemburg“.

340 behinderte Schüler mit Förderbedarf haben im vorigen Schuljahr an Regelschulen gelernt. (Von Claudia Krause)