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Kommunen warnen vor Inklusion, MAZ 12.01.2012

Böttcher: Schulen sind darauf nicht vorbereitet
POTSDAM -Brandenburgs Kommunen warnen vor einer übereilten Einführung des gemeinsamen Unterrichts behinderter und nichtbehinderter Kinder. Die meisten Gemeinden rieten ihren Schulen davon ab, sich an der Inklusions-Pilotphase zu beteiligen, erklärte der Präsident des Städte- und Gemeindebundes, Werner Große, gestern in Potsdam. „Uns fehlt ein Gesamtkonzept, wie das Land das Vorhaben umsetzen will“, so der Bürgermeister der Stadt Werder/Havel.

Die Kommunen seien nicht gegen die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, betonte der Geschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes, Karl-Ludwig Böttcher. Die Schulen im Land seien darauf aber noch nicht vorbereitet. Flächendeckend fehle es an barrierefreien Zugängen, Aufzügen und entsprechend eingerichteten Klassenzimmern. Lediglich die Förderschulen, die Bildungsministerin Martina Münch (SPD) ab 2019 weitgehend abschaffen will, verfügten derzeit über die nötigen baulichen Voraussetzungen.

Die klammen Kommunen als Schulträger seien nicht in der Lage, die Umbaukosten zu tragen. „Wenn das Land das Konzept umsetzen will, muss es auch dafür aufkommen“, so Böttcher. Um den Mehraufwand an Sachleistungen und Personal für inklusive Schulen abzudecken, müsse die Landesregierung ein Sondervermögen einrichten. Er rechne mit Gesamtkosten in einem dreistelligen Millionenbereich.

Die geplante InklusionsTestphase nannte Böttcher einen Schnellschuss. 70 Grundschulen sollen ab dem Schuljahr 2012/13 Erfahrungen mit dem gemeinsamen Unterricht sammeln. Schulen können sich für das Modellprojekt bewerben, für das das Land jährlich zwei Millionen Euro aufwenden will. Rechnerisch bedeute das pro Schule einen Jahresbetrag von 28 500 Euro, so Böttcher. Davon könne gerade einmal eine halbe Lehrerstelle finanziert werden.

In Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) wolle sich deshalb keine der drei Grundschulen bewerben, sagt der stellvertretende Bürgermeister, René Böttcher. „Die Lehrer haben Angst, dass sie den Kindern unter den Bedingungen nicht gerecht werden können“, so der Sonderpädagoge. Ungeklärt sei auch, wie die Schülerbeförderung und die Hortbetreuung in einem inklusiven System organisiert werden sollen, monierte der stellvertretende Bürgermeister von Schwedt (Oder), Lutz Herrmann. Die „Schule für alle“ sei zum Scheitern verurteilt, wenn die Landesregierung nicht bald Antworten auf so praktische Fragen liefere. (Von Marion Kaufmann)