Brief an Oberbürgermeister Jann Jakobs 17.09.2010
Sehr geehrter Herr Jakobs,
wir Mitglieder des Behindertenbeirats der Stadt Potsdam haben uns bei der Podiumsdiskussion am 14.09.2010 im Oberlinhaus sehr über Ihre Mitteilung gefreut, dass ab 2012 das Rathaus weiter barrierefrei gestaltet werden kann und dass diese Maßnahme für Sie dringend erforderlich ist. Sie sprachen davon, dass vor allem für gehbehinderte Personen und Rollstuhlfahrer zwei Aufzüge eingebaut werden, die Haltestelle vor dem Rathaus barrierefrei gestaltet wird und von dort aus für die mobilitätsbehinderten Menschen der Weg zum Rathaus barrierefrei sein wird. Da Sie sich bei Ihren Ausführungen immer nur auf mobilitätsbehinderte Menschen o. g. Behinderungsarten bezogen, möchten wir Sie um Berücksichtigung der Belange der großen Gruppe von Menschen mit anderen Behinderungen in Ihrem Konzept bitten.
Im Rathaus sind nicht nur für gehbehinderte Menschen Barrieren zu beseitigen. Beispielsweise haben wir im Schreiben vom 25.06.2010 an die Fraktionen der Stadt, also auch an die SPD-Fraktion, darauf hingewiesen, dass für sehbehinderte Menschen ohne kontrastreiche Stufenmarkierungen und ohne gute Beleuchtung die Gebäude der Stadtverwaltung nicht barrierefrei sind. Vor allem ist die Unfallgefahr sehr groß, da die Betroffenen ohne Stufenmarkierungen die Treppen herunter- bzw. hinauffallen können, sich dabei schwer verletzen oder sogar verunglücken können. Auch die in den Jahren 2007 und 2008 sanierten Gebäudeabschnitte müssen für sehbehinderte Menschen dringend nachgestaltet werden. Wenn bestimmte Abschnitte in
den Gebäuden unter Denkmalschutz stehen sollten, ist das kein Grund, den betroffenenbehinderten Menschen den barrierefreien Zugang zu verwehren. Ein Besuch im 15. Jahrhundert erbautem Rathaus der Stadt Brandenburg zeigte uns beispielsweise, dass sich beides miteinander vereinbaren lässt. Dort sind die Stufen vorbildlich markiert worden und auch die Beleuchtung war hervorragend. Diese ist im Potsdamer Rathaus völlig unzureichend für Sehbehinderte und müsste zumindest im Treppenbereich im Dauerbetrieb sein.
Da in Potsdam derzeit ebenfalls jegliche Stufen im Außenbereich der Stadtverwaltung bzw. vor dem Rathaus unmarkiert sind, bitten wir Sie hiermit, auch diese barrierefrei für sehbehinderte Menschen gestalten zu lassen.
Im Übrigen interessiert uns, welche Position Sie zu unserem Schreiben vom 25.06.2010 beziehen. Im Interesse der hörgeschädigten Bürger bitten wir um barrierefreie Kommunikation in allen Verwaltungseinheiten.
Wir bitten Sie, alle Behinderungsarten gleichwertig in Ihren Konzeptionen zur barrierefreien Gestaltung zu berücksichtigen.
Mit freundlichen Grüßen
Behindertenbeirat der Stadt Potsdam